Bilder und Geistliche Texte
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Wochenspruch für diese Woche

Warum schreibe ich Predigten?

Im Jahr 1964 - nach meiner Konfirmation durch Pfarrer Erich Klugescheid (1936-2017) - habe ich bei Diakon Rolf Vieser (1931-1971) eine Ausbildung zum Jungscharleiter durchlaufen. Zu dieser Ausbildung gehörte selbstverständlich auch das Halten von Kurzandachten. Parallel dazu habe ich im Kindergottesdienst mitgearbeitet und dabei das Erzählen von biblischen Geschichten gelernt.

 

Beginn in Dörnberg

Am Freitag, dem 18. Juli 1969, betrat um die Mittagszeit Dekan Otto Wassermann (1913-2000) mein Büro im Kirchlichen Rentamt in Wolfhagen. Das Amt war im gleichen Haus wie das Dekanat untergebracht. Der Dekan hatte eine Lesepredigt in der Hand und überreichte mir die mit den Worten: »Langer, der Bach in Dörnberg ist krank. Du musst am Sonntag da den Gottesdienst halten.« »Der Bach« war Pfarrer Heinz Bach. Ich hatte keine Wahl. Ich musste nach Dörnberg. Noch nie hatte ich einen Gottesdienst geleitet. Jetzt musste ich es - 19 Jahre alt - tun. Noch heute hängt die inzwischen vergilbte Lesepredigt über 1. Korinther 13 über meinem Schreibtisch.

 

Lektorendienst

Im Jahr 1969 war ich noch kein Lektor. In diesen Dienst konnte man erst mit der Volljährigkeit berufen werden. Und die lag in diesen Jahren noch bei der Vollendung des 21. Lebensjahres. In den folgenden Jahren machte ich die Lektorenausbildung beim Sprengelbeauftragten der Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Franz Nelle. Zum 1. September 1971 wurde ich offiziell zum Lektor berufen. Mehr beiläufig überreichte mir Dekan Wassermann die Urkunde des Bischofs. Seit 1971 habe ich in fast allen Gemeinden des Kirchenkreises Wolfhagen - einzige Ausnahme ist Bad Emstal-Sand - Gottesdienste gehalten. Durch meinen Dienst im Kasseler Landeskirchenamt ist es gelegentlich auch zu Vertretungsdiensten in anderen Kirchenkreisen gekommen. Im Laufe der Jahre habe ich die Predigten selber geschrieben. Ermuntert dazu hat mich Prälat Peter Hertzberg (1927-2016), der Vertreter des Bischofs.

 

Prädikantendienst

Das eigenständige Schreiben der Predigten war »illegal«. Mitte der 1990er Jahre sollte es legalisiert werden. Ich durchlief die in der Landeskirche übliche Prädikantenausbildung und wurde zum 1. Januar 1995 vom Bischof zum Prädikanten berufen. Ich erhielt das Recht der freien Wortverkündigung und zur Verwaltung der Sakramente. In Ehringen wurde ich im Januar 1995 in mein Amt eingeführt, weil die Kirchengemeinde Wolfhagen die Notwendigkeit des Prädikantendienstes zu der Zeit nicht einsah.

Die Gestaltung von Taufgottesdiensten und Abendmahlsgottesdiensten gehörte seitdem zu meinen Aufgaben. Gelegentlich werde ich auch um Gottesdienste zur Beisetzung gebeten.

 

Persönlicher Gewinn

Der Dienst als Prädikant ist ein Dienst, der mich in hohem Maße erfüllt. Ich weiß, dass es ein Vertretungsdienst ist. In Wolfhagen haben in den Jahren von 2000 an Dekan Dr. Gernot Gerlach, mein Mentor, und Pfarrerin Brigitte Engelhardt-Lenz dafür gesorgt, dass der Prädikantendienst voll akzeptiert ist. Inzwischen werde ich auch zur Pfarrerdienstbesprechung eingeladen, wenn der Predigtplan besprochen wird. Meinen Dienst verstehe ich als einen Andreasdienst. Im Johannesevangelium (Joh 1,40-42) wird vom Johannesjünger Andreas berichtet. Er war Jesus nachgefolgt. Dann findet er seinen Bruder Simon und berichtet ihm von Jesus. Und dann folgt einer meiner Lieblingssätze in der Bibel: »Er führte ihn zu Jesus!« Das möchte ich gern mit meinem Dienst als Prädikant tun: Menschen zu Jesus führen. Das kann ich nicht allein. Aber ich bin zuversichtlich, dass Gott mir für diesen Dienst immer wieder die Kraft gibt.

Vor meinen Diensten bete ich darum mit Manfred Siebald:

»Gib mir die richtigen Worte,

gib mir den richtigen Ton,

Worte, die deutlich für jeden

von dir reden:

Gib mir genug davon.«

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© Günther Dreisbach