Bilder und Geistliche Texte
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Kapelle »Zum heiligen Leichnam« (Friedhofskapelle) in Wolfhagen

Die heutige Friedhofskapelle ist die ursprüngliche Hospitalkapelle, auch »Kapelle zum heiligen Leichnam« genannt. Schon im 14. Jahrhundert wurde außerhalb der Stadt in unmittelbarer Nähe des Neuen Tores und der Ringmauer mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen, und zwar an einer Stelle, wo man den »glorreichen Leichnam (Leib) unseres Herrn und Heilandes« (d. h. eine geweihte Hostie) gefunden haben wollte. Geplant war eine Wallfahrtskirche ähnlich wie in Gottsbüren, die um dieselbe Zeit gebaut wurde, und zwar ebenfalls an einer Stelle, wo der »Leib des Herrn« gefunden sein soll.

Nach Fertigstellung des Chorraumes wurde der Bau eingestellt und diente als Kapelle für das daneben schon im 14. Jahrhundert errichtete Hospital. Mit dem Beginn der Reformation wurden keine Gottesdienste mehr in dieser Kapelle gehalten. Bis 1870 war das Gebäude die Hospitalscheuer. Im Volksmund hieß sie die »Uhlenkerke«, d. h. die Eulenkirche, was auf ihren heruntergekommenen Zustand schließen lässt. Nach dem Hospitalneubau 1905 diente die Kapelle wieder gottesdienstlichen Zwecken und hat durch den Anbau eines weiteren Joches mit einem Dachreiter ihre heutige Gestalt erhalten. Im Dachreiter befindet sich die Glocke. Seit 1931 - der 700-Jahr-Feier der Stadt - ist die Kapelle die Friedhofskapelle der Stadt. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg diente sie für die sich neu bildende katholische Gemeinde bis zur Errichtung einer Notkirche am Koppenberg als Gottesdienstraum.

 

Die Kapelle ist ein einschiffiges, hochgotisches Gebäude aus Sandsteinquadern, ein zweijochiges Schiff mit anschließendem Fünfachtelchorabschluss und Kreuzrippengewölben auf Wanddiensten. Die Gleichmaßigkeit der Fenstermaßwerke lässt Zisterziensereinfluss vermuten. An der nördlichen Seite des östlichen Jochs ist eine quadratische, kreuzrippengewölbte Sakristei angefügt.

 

Die Schlusssteine sind von beachtlichem handwerklichen Niveau und tragen zur geistlichen und  künstlerischen Qualität des hochgotischen Raumes bei. Sie zeigen von Westen ausgehend einen knienden Engel mit den Kreuznägeln, einen stehenden Engel mit Dornenkrone und den segnenden Christus mit entblößter Brust, seine Wundmale zeigend. Der Schlussstein in der Sakristei zeigt eine Kleeblattrosette.

 

Im Jahr 1982 wurden die Fenster neu gestaltet und wertvolle Grabdenkmäler an der Südseite angebracht. Im Zusammenhang mit einer Renovierung in 1991 wurde das Gestühl in der heutigen Form angeordnet und später ein kleiner Anbau an der Nordseite geschaffen.

 

(aus »Evangelische Stadtkirche Wolfhagen«
Kirchenführer 2002.)

 

 

 

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© Günther Dreisbach