Bilder und Geistliche Texte
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Wochenspruch für diese Woche

Das Kirchenschiff

Die Stadtkirche ist eine spätgotische Hallenkirche, eine von Westfalen und Hessen ausgehende, im späten Mittelalter in ganz Deutschland vorherrschende Bauform. Die Auftraggeber waren neben den alten Stiften und dem hessischen Landgrafen vor allem die Städte und - wie in Wolfhagen - das Bürgertum.

 

Der Bau der Kirche wurde wohl um 1225 mit einem Chor begonnen, der 1235 mit der Altarweihe fertig war. Davor wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die breit gelagerte dreischiffige Halle errichtet (25 x 50 x 21 m). Die im Grundriss (Abb. 1) sichtbar werdenden leichten Versprünge sind ein Spiegel der abschnittsweisen Bauphasen.

 

Zwei Stützreihen gliedern die Halle in neun Joche, wobei die der Seitenschiffe die halbe Breite und nicht ganz die Höhe der mittleren besitzen. Die rechteckigen Säulenvorlagen tragen die Gurt- und Schildbögen, die Säulenkerne die Rippen bzw. Grate der Gewölbekappen. Zusammen bilden die in halber Höhe einsetzenden Tragelemente das für Westfalen typische Domikalgewölbe, die in bemerkenswerten Schlusssteinen enden. Der Schmuck der Kapitellbänder greift Motive der Außenportale auf. Obwohl die Rosette über dem Nordportal auf Zisterziensereinfluss verweist, stehen diesem die allesamt unterschiedlichen Fenstermaßwerke entgegen (Abb. 2 ff.).

 

Im frühen 15. Jh. wurde der alte durch einen neuen hochgotischen Chorraum ersetzt, der dem Mittelschiff gegenüber einen höheren Gewölbescheitel erhielt. Seinem steileren Dach wurde das Schiffsdach angeglichen (Baunaht außen).

 

In der evangelischen Kirche in Hessen kam es durch den Übertritt des Landgrafen Moritz zum reformierten (calvinistischen) Bekenntnis zu einschneidenden Veränderungen. Moritz führte in der bis dahin lutherischen Kirche seines Landes durch die sogenannten »Verbesserungspunkte« von 1604 sein reformiertes Bekenntnis allgemein verbindlich ein.

 

Das hatte auch für die Kirchengebäude Folgen. Die Ersetzung von Luthers Katechismus durch die reformierte Zählung der zehn Gebote nach dem Bibeltext führte dazu, dass auf einmal das Bilderverbot als verbindlich angesehen wurde. Ein wahrer Bildersturm setzte ein. Sämtliche Bildwerke verschwanden aus den Kirchen. In Wolfhagen u. a. wohl auch der Taufstein. Die Schlusssteine in der Sakristei wurden beschädigt. Erhalten blieben die Schlusssteine im Kirchenschiff, weil diese schwer erreichbar waren und eine Beschädigung Gefährdungen der Statik mit sich gebracht hätten.

 

1860-66 wurden in die Kirche Emporen eingebaut, die bei der Restaurierung 1957-58 wieder entfernt wurden. Bei dieser Restaurierung erhielt die Kirche ihr heutiges Gestühl. Die ursprüngliche Farbgestaltung in den Grundstimmungen rot und hellgrau wurde wieder hergestellt. 2011-12 wurde das Gestühl in den Seitenschiffen entfernt und die Sakristei im unteren Bereich der Marienkapelle erweitert.

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© Günther Dreisbach