Bilder und Geistliche Texte
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Wochenspruch für diese Woche

Vaterunser. Maryam Zarmehr, 2017

Maryam Zarmehr (*1980) stammt aus dem Iran. Wegen ihre Glaubens an Jesus Christus ist sie mit ihrer Familie aus dem Iran gefohlen und nach Deutschland gekommen. Als wir 2016/17 in der Kirchengemeinde zu einem Kunstwettbewerb aufriefen, hat sie dieses kalligrafische Werk geschaffen: das Vaterunser stellt die Umrisse der wuchtigen evangelischen Stadtkirche ihrer neuen Heimatstadt Wolfhagen dar.

 

Für die Iranerin war es etwas ganz Besonderes, im Dezember 2013 plötzlich in einer Kirche zu stehen und mit der Gemeinde das Vaterunser beten zu können. In ihr ist in dieser Zeit ein großes »Wir«-Gefühl gewachsen. Ich muss mein Christsein nicht mehr allein leben.Ich muss nichts verheimlichen. Ich erlebe die Gemeinschaft mit anderen Christen. Wir haben gemeinsam einen Vater. Zur Christsein gehört die Gemeinde. Und die trifft sich im Gottesdienst. Die kommt zusammen zum Reden und zum Hören, zum Singen und zum Beten. Helmut Thielicke, ein Theologe des 20. Jahrhunderts hat das Vaterunser »das Gebet, das die Welt umspannt« genannt. Das war mir schon immer klar. Bei meinem Israelbesuch habe ich die Vaterunserkapelle auf dem Ölberg in Jerusalem besucht, wo das Vaterunser in verschiedenen Sprachen dargestellt ist. Aber durch das Miteinander mit Christen aus verschiedenen Konfessionen in unserer Wolfhager Kirchengemeinde ist mir das noch einmal ganz neu und viel tiefer deutlich geworden: Wir beten zu dem einen Vater. Wir sind Kinder Gottes. Wir Christen aus Deutschland und aus dem Iran, aus Afghanistan und aus Syrien. Und damit wir das leben können, glaubhaft leben können, nicht isoliert in den »eigenen vier Wänden«, brauchen wir die Gemeinde oder wie es im Glaubensbekenntnis heißt: »die Gemeinschaft der Heiligen«.

 

Das Vaterunser verbindet uns miteinander. Beten verbindet uns miteinander. Mit Menschen und mit Gott. Und mit einer Gemeinde, die uns beim Beten hilft, vor allem auch in ihrer guten Stube, der Kirche, dem Haus Gottes auf Erden. Bis wir einst schauen »die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit«.

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© Günther Dreisbach