Bilder und Geistliche Texte
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Wochenspruch für diese Woche

Schlussstein »Johannes der Täufer und Maria«

Meine Fürsprecher bei Gott

Johannes der Täufer und Maria
als Fürbittende

 

Was hält das Gewölbe in der Mitte der evangelischen Stadtkirche? Zwei biblische Gestalten: Johannes der Täufer und Maria, die Mutter Jesu, zwei entfernt miteinander Verwandte.

 

Die Inschrift, die diesen Schlussstein umfasst, hat man bisher nicht entziffern können. Beide nehmen eine Gebetshaltung ein. Maria trägt ein Gewand in der Farbe, die der Künstler auch Christus als dem Weltenrichter beigegeben hat und auch dem Engel mit dem Rauchfass und - erstaunlicherweise - auch einem der Posaune blasenden Engel, die zum jüngsten Gericht blasen und durch deren Musizieren die Verdammten in den Höllenrachen gezogen werden. Johannes hingegen trägt das einfache Gewand dessen, der in der Wüste gelebt hat, der sich ökologisch und einfach ernährt hat. Beide knien und sind einander zugewandt. Die Bibel berichtet an einer Stelle von einer Begegnung der beiden. Maria besucht in Juda ihre Verwandte Elisabeth. Die ist in ihren alten Tagen schwanger geworden. Und das Kind, das sie unter ihrem Herzen trägt, wird Johannes genannt werden, der das Kommen Jesu ankündigt. (Lk 1,39-45) Ob die beiden sich nach dieser »Begegnung« einmal von Angesicht zu Angesicht gesehen haben, ist nicht überliefert. Es ist aber nicht ausgeschlossen.

 

Die Darstellung der beiden symbolisiert seit alters her die Fürbitte vor Christus, dem Herrn der Welt, für die Menschen. Maria hatte einst bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa (Joh 2,1-11) die Diener aufgefordert, alles, was Jesus ihnen sagt, zu tun. Und Johannes der Täufer hat sich so sehr für Jesus eingesetzt, dass er ins Gefängnis geworfen und getötet wurde. (Mk 6,14 f.) Und immerhin hat Jesus selbst über Johannes den Täufer gesagt, dass unter denen, die von Frauen geboren sind, keiner bedeutender ist als er. (Mt 11,11). Diese beiden also bitten am Ende der Zeit für uns alle, das will diese Darstellung in diesem Zyklus wohl sagen. Sie bitten zu Christus, dem Weltenrichter. Das will der Künstler möglicherweise andeuten mit dem Kreuzzeichen in der Umschrift, dem gleichen Ziechen, das gleich dreimal auf dem Schlussstein mit dem Lamm zu sehen ist. Zu Christus, der die Macht hat, zu entscheiden, ob wir - um es ganz einfach zu sagen - in den Himmel oder in die Hölle kommen. Zum Schlussstein mit dem Lamm gibt es dann auch einen ganz deutlichen Hinweis. Johannes der Täufer ist es gewesen, der auf Jesus und seinen Auftrag hingewiesen hat: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. (Joh 1,29)

 

In der katholischen Frömmigkeit gibt es gelegentlich an einer Stelle in der heiligen Messe etwas, mit dem wir Evangelischen uns auch schwer tun. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes, beten die Besucher der Messe. Wir können als Evangelische Maria nicht um etwas bitten. Aber darauf hoffen, darauf vertrauen, das sie und Johanne der Täufer sich bei Christus für uns einsetzen, das können wir. Nicht ohne Grund hat der Künstler sie in die Mitte der Schlusssteine des Kirchenschiffs gesetzt. Hier, wo die Gemeinde sich versammelt. auch zur Fürbitte für mancherlei Nöte in der Welt, hier ist auch Raum, die versammelte Gemeinde in den Blick zu nehmen und für sie zu beten. Ich jedenfalls bin froh, dass Maria und Johannes der Täufer meine Fürsprecher bei Gott sein wollen.

 

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Maria gehört zu denen, denen damals im Jahr 1235 der Altar der Kirche geweiht wurde. Und die Kirche der katholischen Gemeinde in Wolfhagen trägt ihren Namen: Sankt Maria.

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© Günther Dreisbach