Bilder und Geistliche Texte
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Wochenspruch für diese Woche

Schlussstein »Engel mit Leidenswerkzeugen«

Merk, was er gelitten hat,

bis er ist gestorben

Engel mit Leidenswerkzeugen

 

Was hält das Gewälbe an der Nordseite der Orgelempore? Zwei Engel mit den Leidenswerkzeugen Kreuz und Dornenkrone und Lanze sind zu sehen.

 

Engel spielen in der Geschichte Jesu oft eine entscheidende Rolle. Der Engel, der Maria die Geburt verkündigt, ist ebenso bedeutend wie der Engel, der Josef zur Flucht vor dem Machthaber der damaligen Zeit rät. Und die Geschichte von der Versuchung Jesu (Mt 4,1-11) endet damit, dass der Teufel Jesus verlässt. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm, notiert der Evangelist.

 

Auch in der Leidensgeschichte Jesu kommen Engel vor. Jesus, der sich bedingungslos seinem Schicksal hingibt, weist bei seiner Gefangennahme den Jünger, der dem Knecht des Hohenpriesters ein Ohr abgehauen hat, darauf hin, dass das alles doch keinen Sinn macht. Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mit sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte? (Mt 26,54)

 

Auf dem Schlussstein sind es drei Leidenswerkzeuge, die der Künstler den Engeln in die Hand gibt. Einer hält das Kreuz fest, das aufrecht steht dort auf dem Hügel Golgatha. Die Dornenkrone ist noch zu sehen. Jesus ist schon wieder abgenommen. Und er trug sein Kreuz, berichtet der Evangelist Johannes (Joh 19,17). Und ein Engel stützt das Kreuz. Vielleicht ist das ja auch ein Sinnbild für uns heute. Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Aber es gibt immer wieder Engel, die helfen einem beim Tragen. So, wie sie Jesus damals geholfen haben, helfen sie auch uns. Die Kirche ist solch ein Engel. Es könnte ja sein, dass dieser Schlussstein nur deshalb in der Kirche zu sehen ist, weil er deutlich machen soll: Der »Engel Kirche« will dir mit dem, was in diesem Gotteshaus geschieht, helfen, dein Kreuz zu tragen: mit den Gottesdiensten und mit der Feier des heiligen Abendmahls. Auch und vor allem deshalb ist der Besuch des Gottesdienstes wichtig, weil ich erfahren kann, wie die Not meines Lebens gewendet werden kann. Oder gibt es Menschen, die kein Kreuz zu tragen haben?

 

Mir scheint, der Engel wendet seinen Blick noch einmal auf die Dornenkrone, die die beiden Balken des Kreuzes ein zweites Mal durchkreuzt. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt, schreibt Johannes (Joh 19,2). So erniedrigt wird Jesus, der Juden König. Und es scheint, als wolle der Engel mahnen: Vergesst das nicht, ihr Besucher des Gottesdienstes, ihr Besucher der Kirche: Der, nach dem ihr eure Jahre zählt, hat unsäglich leiden müssen. Der ist verspottet und verhöhnt worden. Johann Heermann dichtet: Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, / ins Angesicht geschlagen und verhöhnet. (EG 81,2) Aber das alles ist für euch geschehen. Er trug unsere Krankheit. Er lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet. Er ist um unsertwillen zerschlagen. Und das alles dient unserem Frieden, dem Frieden, den der Gekreuzigte als der Auferstandene seinen Jüngern verkündigt und worauf vor allem auch der Schlussstein in der Sakristei hinweist.

 

Der andere Engel blickt stur nach vorne. Er hält die Lanze in der Hand. Es mag eine von den Lanzen sein, mit denen man Jesus gefangen genommen hat. Als nun Judas die Schar der Soldaten mit sich genommen hatte und Knechte von den Hohenpriestern und Pharisäern, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. (Joh 18,3), schreibt Johannes. Der Engel hält die Lanze in der Hand, möglicherweise als ein Symbol, als Mahnung, als Warnung. Schon einmal habt ihr mit Waffen Unheil angerichtet, habt den getötet, der euch den Frieden bringen wollte. Nehmt nicht immer wieder Waffen in die Hand. Ihr könnt am Ende das Kreuz doch nicht tragen, das ihr mit euren Waffen anrichtet. In jedem Fall ist die Lanze auf diesem Schlussstein ein Zeichen der Niederlage. Mit einer Lanze beginnt die Leidensgeschichte. Mit einem Kreuz endet sie. Petrus Herbert dichtet: Jesu Kreuz, Leiden und Pein, / deins Heilands und Herren, / betracht, christliche Gemein, / ihm zu Lob und Ehren. / Merk, was er gelitten hat, /  bis er ist gestorben, / dich von deiner Missetat / erlöst, Gnad erworben. (EG 78,1)

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© Günther Dreisbach