Bilder und Geistliche Texte
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Wochenspruch für diese Woche

Schlussstein »Der auferstandene Herr«

O Haupt, voll Blut und Wunden

Der auferstandene Herr

 

Was hält das Gewölbe im Westjoch der Sakristei der evangelischen Stadtkirche Wolfhagen? Christus, der auferstandene Herr. Die Bilderstürmer des 17. Jahrhunderts haben diesen Schlussstein verunstaltet. Dem segnenden Christus haben sie einfach den Kopf abgeschlagen. Ich  denke schon länger darüber nach, wieviel Roheit wohl ein Mensch haben muss, der so etwas tut, und auch: wieviel Gottlosigkeit. Wie kann man Christus ein zweites Mal so etwas zufügen? Aber fügen Menschen ihm heute nicht Ähnliches zu? Fürwahr, er litt unsere Krankheit, schreibt der Prophet Jesaja im Gottesknechtlied. Und leidet er nicht in unseren Tagen immer noch und immer wieder?

 

Ich schaue auf die  H ä n d e  des Auferstandenen. Die Nägemale hat er noch an sich. Ich  ahne es. Es sind die Hände einer ganzen Welt. Mit Händen werden Gewehre geladen. Mit Händen werden Dinge getan, die wir nie hätten tun dürfen. Immer wieder. Christus ist gekommen und hat die Schuld der ganzen Welt in seine Hände genommen. Jetzt bin ich frei, mit meinen Händen Dinge zu tun, die Gott die Ehre geben.

 

Ich schaue auf die  F ü ß e  des auferstandenen Herrn. Die Nägelmale hat er noch an sich. Ich ahne es. Es sind die Füße einer ganzen Welt. Mit unseren Füßen gehen wir Wege, die wir am liebsten nie gegangen wären. Und manchmal finden wir keinen Weg mehr zur Umkehr. Christus ist gekommen und hat die Schuld unserer selbstgewählten Wege auf seine Füße genommen. Jetzt kann ich - mit ihm! - umkehren und bin frei, mit meinen Füßen Wege zu gehen, die Gott die Ehre geben.

 

Ich schaue auf den  L e i b  des auferstandenen Herrn. Die Striemen sind noch nicht verheilt. So schnell geht das nicht. Zu hart waren die Qualen. Mit unserem Leid tun wir viele gute Dinge und denken doch dabei nur an uns, oder fast nur. Und viel zu selten an die vielen geschundenen Leiber in der Welt, an die 20.000 Kinder zum Beispiel, die Tag für Tag sterben, weil sie nicht genug zum Esssen haben und nicht mit Paulus sagen können: Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. (1. Tim. 6,8) Christus ist gekommen und hat all die Schuld, die wir mit unserem Leib auf uns laden, mit unserem Reichtum und unserer Gier nach immer mehr auf seinen Leib genommen. Jetzt kann ich - mit ihm! - umkehren und bin frei, mit meinem Leib Dinge zu tun, die Gott die Ehre geben.

 

Und dann schaue ich auf den  K o p f  des auferstandenen Herrn. Sie haben den auferstandenen Herrn noch einmal getötet, damals, nach der Reformation. Sie haben es getan in meiner Stadt. Fast 400 Jahre war in dieser Kirche gepredigt und das heilige Abendmahl gefeiert worden. Und dann das. Was muss sich im Kopf dessen abgespielt haben, der sich zu so etwas hergegeben hat? Noch nicht einmal mehr O Haupt, voll Blut und Wunden - gar kein Haupt mehr. Mit unserem Kopf denken wir viele Dinge. Dinge, die wir aus späterer Sicht manchmal am besten nie gedacht hätten. Im Kopf werden Kriege gedacht - hier und anderswo. Wenn Steine sprechen könnten: Die Kirche mit diesem Schlussstein könnte viel davon erzählen. Christus ist gekommen und hat all unsere schlimmen Gedanken auf seinen Kopf genommen. Jetzt kann ich - mit ihm! - meine Gedanken ordnen, auf ihn hin ausrichten und bin frei, mit meinem Kopf Dinge zu tun, die Gott die Ehre geben.

 

Aber dann sehe ich nich, dass der Auferstandene seine Arme ausgebreitet hat, als wollte er fragen: Wer kommt in meine Arme? Ich denke an den Friedensgruß, den er nach seiner ersten Begegnung nach seiner Auferstehung den Jüngern entrichtet hat: Friede sei mit euch! (Joh 20,19) Und ich spüre, dass das, was in dieser Kirche geschieht im Kindergottesdienst und bei der Kirchenmusik, bei der heiligen Taufe und bei der Predigt, beim heiligen Abendmahl und bei der Anbetung, beim Dank und bei der Fürbitte - also beim Gottesdienst! - etwas mit diesem Frieden zu tun hat, den der Auferstandene mir zuspricht. Und weil dieser Friede mir zugesprochen wird, kann ich Gott die Ehre geben mit Herzen, Mund und Händen - um es einmal etwas anders zu sagen.

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© Günther Dreisbach