Bilder und Geistliche Texte
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Wochenspruch für diese Woche

Schlussstein »Christus, der Weltenrichter«

Herr, lehr mich stets

mein End bedenken

Christus, der Weltenrichter

 

Was hält das Gewölbe vor der Orgel aus dem 18. Jahrhundert in der evangelischen Stadtkirche Wolfhagen? Christus, der Weltenrichter. Symbole der vier Evangelisten, angeordnet im Vierpassmedaillon, umgeben ihn. Es sind ganz alte Symbole, jedes hat seine eigene Bedeutung. Matthäus wird durch einen Menschen  symbolisiert, Markus durch einen Löwen, Lukas durch einen Stier und Johannes durch einen Adler.

 

Ganz unterschiedlich erzählen die Evangelisten vom Weltgericht. Beim Bild dieses Schlusssteines denke ich meist an die Einschätzung von Matthäus: Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit.(Mt 25,31) Und was dann folgt, ist eine anschauliche Beschreibung dessen, was nach Matthäi Auffassung passieren wird. Ich gestehe ein, dass es mir immer, wenn ich diesen Text als das Evangelium am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres höre oder lese, eiskalt den Rücken herunterläuft. Schonungslos wird aufgedeckt, wo meine Fehler liegen. Also frage ich mich: Habe ich die Hungrigen beachtet und ihnen zu Essen gegeben? Habe ich die Durstigen beachtet und ihnen zu Trinken gegeben? Habe ich die Fremden beachtet und sie bei mir aufgenommen? Habe ich die Nackten beachtet und ihnen Kleidung gegeben? Habe ich die Kranken beachtet und sie besucht? Habe ich die Gefangenen beachtet und bin bei ihnen gewesen?

 

Ich höre es alle Jahre wieder neu. Und ich frage mich alle Jahre wieder neu. Und ich ziehe alle Jahre wieder genau so wenig Konsequenzen. Ich erhöhe immer noch nicht meinen Beitrag für BROT FÜRDIE WELT. Ich helfe immer noch nicht mehr, dass es gerechter zugeht auf der Welt. Ich besuche immer noch nicht öfter Menschen, die auf einen Besuch warten, und so weiter, und so weiter.

Und ich weiß, dass Christus, der Weltenrichter, mir Konsequenzen androht, die ewige Strafe oder das ewige Leben. Jesus bezieht das, was ich tue oder lasse, auf sich. Was ich einen von diesen Geringsten nicht getan habe, das habe ich Christus auch nicht getan, der alles für mich getan hat.

 

Der Schlussstein hält das Gewölbe vor der Orgel zusammen, schützt also auch die Königin der Instrumente, mit der ich mit Worten von Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt singe: Herr, lehr mich stets mein End bedenken / und, wenn ich einstens sterben muss, / die Seeln in Jesu Wunden senken / und ja nicht sparen meine Buß. / Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: / Mach's nur mit meinem Ende gut. (EG 530,3)

 

Quelle: »Da Jesus Christus der Eckstein ist. Gedanken zu den Schlusssteinen in der Evangelischen Stadtkirche Wolfhagen« September 2003, Auflage: 30

 

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© Günther Dreisbach